Möglichkeiten und Grenzen

Lassen wir noch einmal Peter Bieri (Das Handwerk der Freiheit) zu Wort kommen: "Nehmen wir an, was unmöglich ist: daß wir in einer Welt lebten, in der es keine Begrenzungen für unseren Willen gäbe, weil diese Welt keinerlei Bestimmtheit besäße. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als könnte hier vollkommene Freiheit des Willens im Sinne seiner vollständigen Ungebundenheit herrschen.

In Wirklichkeit gäbe es in einer Welt von derart totaler Vagheit nichts zu wollen, denn es gäbe nichts, nämlich nichts Bestimmtes, worauf sich ein Wille richten könnte. Wir als die Bewohner dieser Welt könnten nicht vollkommen freie, sondern müßten vollkommen willenlose Wesen sein. Deshalb kann uns die Bedingtheit und prinzipielle Begrenzung unseres Wollens durch die Gelegenheiten der Welt nicht stören.

Denn dasjenige, an dem sie gemessen werden müßte, um uns zu stören, ist nicht denkbar. Die Grenzen, die dem Willen durch die Welt gezogen werden, sind kein Hindernis für die Freiheit, sondern deren Voraussetzung."